„Enigma”

Kriege werden nicht nur in den Schützengräben gewonnen, sondern auch in der Abgeschiedenheit wissenschaftlicher Labors. Wären die polnischen Mathematiker nicht gewesen, welche die Enigma entschlüsselt haben, hätte der Zweite Weltkrieg sicherlich bedeutend länger gedauert.

Enigma wurde die Chiffriermaschine genannt, die von der deutschen Armee und Diplomatie in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkrieges verwendet wurde. Selbstverständlich erweckte das Gerät das Interesse des polnischen Nachrichtendienstes und der Spionageabwehr, die in der Zwischenkriegszeit im nachrichtendienstlichen Kampf mit Deutschland und der UdSSR nicht unerhebliche Erfolge erzielt hatten. Das Kodierungssystem wurde von drei Mathematikern der Posener Universität geknackt: von Marian Rejewski, Jerzy Różycki und Henryk Zygalski, die für das Chiffrierbüro der Abteilung II. des Generalstabs der Polnischen Armee tätig waren. Dies ermöglichte es, im Jahre 1933 eine Replik der Enigma zu bauen und deutsche Depeschen zu mitzulesen. Zu diesem Zweck wurde ein eigenes Zentrum des Nachrichtendienstes in Pyry bei Warschau errichtet.

Die deutsche Chiffriermaschine Enigma. Foto: Digitales Staatsarchiv (Narodowe Archiwum Cyfrowe)
Die deutsche Chiffriermaschine Enigma. Foto: Digitales Staatsarchiv (Narodowe Archiwum Cyfrowe)

Im Juli 1939, als die Gefahr eines Krieges bereits in der Luft hing, teilten die Polen mit dem französischen und britischen Nachrichtendienst ihre Errungenschaften und übermittelten ihnen jeweils eine Replik der Enigma. Das gab den Alliierten die Möglichkeit, in erster Linie den Briten, deutsche und später auch japanische Depeschen zu entziffern (die sogen. Operation Ultra). Damit konnten die Alliierten den Aktionen des Gegners vorgreifen oder sie verhindern. Die Experten der Alliierten wurden von polnischen Kollegen, welche im September 1939 evakuiert werden konnten und die nach der Niederlage Frankreichs sich nach Großbritannien durchgekämpft haben, unterstützt.

Das Knacken der Enigma war zweifellos vielleicht der größte Beitrag Polens zum Sieg. Dennoch wurden diese Verdienste einschließlich der ganzen Geschichte der Enigma bis zu den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts nie öffentlich kundgetan. Auch später wurde der polnische Beitrag stets unterschätzt. In letzter Zeit jedoch bestätigen Untersuchungen polnischer und westlicher Historiker den bahnbrechenden, ja geradezu entscheidenden Beitrag polnischer Mathematiker, Ingenieure und Nachrichtendienstoffiziere zum Sieg.

Die Kryptologen, die die Zusammenarbeit beim Knacken der deutschen Chiffriercodes in den Jahren 1939-1940 leiteten. (v.l.n.r.:): Oberst Gwidon Langer (Polen), Oberst Gustave Bertrand (Frankreich) und Hauptmann Kenneth McFarlane (Großbritannien). Foto: Digitales Staatsarchiv (Narodowe Archiwum Cyfrowe)
Die Kryptologen, die die Zusammenarbeit beim Knacken der deutschen Chiffriercodes in den Jahren 1939-1940 leiteten. (v.l.n.r.:): Oberst Gwidon Langer (Polen), Oberst Gustave Bertrand (Frankreich) und Hauptmann Kenneth McFarlane (Großbritannien). Foto: Digitales Staatsarchiv (Narodowe Archiwum Cyfrowe)