Jan Karski

Unter den Kurieren, welche die Verbindung zwischen dem besetzten Polen und der Exilregierung aufrechterhielten, ist in erster Linie Jan Karski zu nennen. Nicht sosehr wegen der Abenteuerlichkeit, sondern wegen der unerhörten Bedeutung seiner Missionen.

Jan Karski (eigentlich Jan Romuald Kozielewski) kam im Jahre 1914 in Lodz (Łódz) auf die Welt. Im Jahre 1935 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften und der Diplomatie an der Jan Kazimierz Universität in Lemberg (Lwów) ab und war ab 1939 im Außenministerium beschäftigt. Vom Beginn der Besatzungszeit an war er in der Untergrundbewegung aktiv und zugleich Emissär des Verbandes des Bewaffneten Kampfes (ZWZ) nach Großbritannien und in die USA und Verfasser von Berichten über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung. Der erste, bereits Ende 1939 verfasste Bericht wurde im Januar 1940 der polnischen Exilregierung in Frankreich übermittelt. An dem nächsten, für den er u. a. im Warschauer Ghetto und im Lager in Izbica Lubelska persönlich Informationen sammelte, arbeitete er in den Jahren 1941-1942.

Im Herbst 1942 startete er im Auftrag des Bevollmächtigten der Regierung der Polnischen Republik Cyryl Ratajski seine Mission, während der er die westlichen Alliierten u. a. über die Ausrottung von Juden informieren sollte. Auf der Grundlage der von Karski mitgebrachten Dokumente und seiner Aussagen wurde ein Memorandum verfasst (nach dem Namen des damaligen Außenministers Raczyński-Note genannt), welches die Regierungen der westlichen Staaten über den Holocaust informierte und eine Intervention und Hilfe forderte. Die Note, auch in Form einer Broschüre veröffentlicht (The mass extermination of Jews in German occupied Poland. Note addressed to the Governments of the United Nations on December 10th 1942), rief ein breites Echo hervor, brachte allerdings keinerlei praktischen Erfolge.

Ebenso wirkungslos blieben die Versuche Karskis, das Interesse amerikanischer Eliten am Schicksal polnischer Juden zu erwecken (Im Juli 1943 traf er den US-amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt). Obwohl auch andere Quellen über die Ausrottung von Juden berichteten, begegnete man Karskis Bericht oft mit Ungläubigkeit und Misstrauen und betrachtete ihn als Propaganda der polnischen Regierung.

Eine ungeheure Bedeutung als Informationsquelle hatte Karskis Buch Mein Bericht an die Welt: Geschichte eines Staates im Untergrund (The Story of a Secret State), das 1944 in Boston herausgegeben wurde. Mit 400.000 verkauften Exemplaren wurde es zu einem wahren Bestseller. Erst dieses Buch war in der Lage, den Westen über die Leiden und auch über den Kampf von Polen und Juden effizient zu informieren. Nach dem Krieg ließ sich Karski in den USA nieder, wo er an der Georgetown University in Washington D.C. lehrte. Für seine Verdienste erhielt er im Jahre 1982 den Titel Gerechter unter den Völkern und im Jahre 1994 die Ehrenstaatsbürgerschaft des Staates Israel. Er starb am 13. Juli 2000 in Washington D.C. Im Jahre 2013 ernannte das Parlament der Republik Polen das Jahr 2014 zum Jan-Karski-Jahr.