Polen in der Luftschlacht um England

Infanterie, Artillerie oder Panzereinheiten müssen meist mehr in Warteposition ausharren, als dass sie an Kämpfen teilnehmen. Ähnlich verhielt es sich mit polnischen Einheiten während des Zweiten Weltkrieges. Nur die Flieger und die Kriegsmarine schlugen sich praktisch ohne Unterbrechung, vom ersten bis zum letzten Tag des Krieges.

Großbritannien. Zwei Piloten der Jagdbomberstaffel 304 Ziemia Śląska in der Pilotenkabine. Foto: Polnisches Institut (Instytut Polski) und General Sikorski Museum (Muzeum im. gen. Sikorskiego) in London / Zentrum Karta (Ośrodek Karta)
Großbritannien. Zwei Piloten der Jagdbomberstaffel 304 Ziemia Śląska in der Pilotenkabine. Foto: Polnisches Institut (Instytut Polski) und General Sikorski Museum (Muzeum im. gen. Sikorskiego) in London / Zentrum Karta (Ośrodek Karta)

Nach dem Septemberfeldzug 1939 wurden in erster Linie die hervorragend geschulten und stets kampfbereiten polnischen Flieger evakuiert, die bereits im Mai und Juni 1940 bei der Verteidigung Frankreichs ihre heldenhafte Haltung unter Beweis gestellt hatten. In Großbritannien wurden aus dieser Gruppe schon zu Kriegsanfang zwei Bomberstaffeln (Staffel 300 und 301) sowie zwei Jagdfliegerstaffeln (Staffel 302 und 303) gebildet. Über 80 polnische Flieger flogen auch in den Einheiten der RAF. Insgesamt zählten die polnischen Luftstreitkräfte während des Krieges 16 Staffeln, die an Kämpfen in Europa und Nordafrika teilnahmen. Legendenstatus genießt die Beteiligung polnischer Piloten bei der Luftschlacht um England in den Monaten Juli bis Oktober 1940. Die polnischen Flieger, 144 an der Zahl, d.h. rund 5% aller RAF-Piloten, schossen rund 170 deutsche Flugzeuge ab und beschädigten 36, das bedeutet rund 12% der gesamten Verluste der Luftwaffe während des Battle of Britain. Die meisten dieser Abschüsse – nämlich 126! – gingen auf das Konto der nach Tadeusz Kościuszko benannten Warschauer Jagdfliegerstaffel 303, die als beste Einheit der RAF galt. Die Kämpfe der Jagdfliegerstaffel 303 bildeten – bereits während der Luftschlacht um England! – eines der Hauptelemente der Gedächtniskultur betreffend die Beteiligung von Polen an diesem weltweiten Konflikt. Die größte Rolle spielte dabei das Buch von Arkady Fiedler Staffel 303, das 1942 in London erschien. Noch im gleichen Jahr kursierten bereits Neuauflagen im besetzten Polen, und 1943 erschienen im Untergrund mindestens drei weitere Ausgaben.

Ostsee, 30. August 1939. Die Zerstörer der polnischen Kriegsmarine, die Kriegsschiffe ORP Grom, ORP Błyskawica und ORP Burza verlassen den Hafen von Gdingen (Gdynia) auf dem Weg nach Großbritannien. Foto: Polnisches Institut (Instytut Polski) und General Sikorski Museum (Muzeum im. gen. Sikorskiego) in London / Zentrum Karta (Ośrodek Karta)
Ostsee, 30. August 1939. Die Zerstörer der polnischen Kriegsmarine, die Kriegsschiffe ORP Grom, ORP Błyskawica und ORP Burza verlassen den Hafen von Gdingen (Gdynia) auf dem Weg nach Großbritannien. Foto: Polnisches Institut (Instytut Polski) und General Sikorski Museum (Muzeum im. gen. Sikorskiego) in London / Zentrum Karta (Ośrodek Karta)

Die polnische Kriegsmarine trat noch früher in Aktion als die Flieger. Im September 1939 gelang es nämlich, die wertvollsten Kriegsschiffe der Kriegsmarine, die kurz vor dem Krieg nach Großbritannien delegiert wurden, vor der Zerstörung zu retten. Andere gelangten erst später dorthin, wie das Unterseeboot Orzeł (Adler) zum Beispiel. Zum Zeitpunkt des Kriegsendes setzte sich die Kriegsmarine aus einem Panzerkreuzer, sechs Zerstörern, drei Unterseebooten und sechs Schnellbooten zusammen. Sie nahmen an der Schlacht um den Atlantik teil, an Kämpfen in der Nordsee und im Mittelmeer, an der Evakuation aus Frankreich 1940 und an der Landung in der Normandie 1944, sie schützten rund 800 Konvois mit Nachschub. Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass auch polnische Handels- und Passagierschiffe, wie die Transatlantik-Passagierdampfer Batory, Piłsudski und Sobieski zum Sieg beigetragen haben.

Nordsee. Oberleutnant Kazimierz J. Hess und Maat Józaf Gajda an Deck des Zerstörers ORP Piorun, Vierzigerjahre des 20. Jh. Foto: Polnisches Institut (Instytut Polski) und General Sikorski Museum (Muzeum im. gen. Sikorskiego) in London / Zentrum Karta (Ośrodek Karta)
Nordsee. Oberleutnant Kazimierz J. Hess und Maat Józaf Gajda an Deck des Zerstörers ORP Piorun, Vierzigerjahre des 20. Jh. Foto: Polnisches Institut (Instytut Polski) und General Sikorski Museum (Muzeum im. gen. Sikorskiego) in London / Zentrum Karta (Ośrodek Karta)